Pressemitteilung, 27. April 2026

4. Todestag von Ante P.

Am 2. Mai 2026 jährt sich der Tod von Ante P. zum vierten Mal – einem Mann, der in einer psychischen Krise Hilfe brauchte und stattdessen starb. Die Familie lädt um 17 Uhr zum Gedenken in die Marktplatzkirche St. Sebastian (F1 6, 68159 Mannheim) ein. Danach werden Blumen am Todesort niedergelegt (G2 7, 68159 Mannheim). Die Initiative 2. Mai installiert dort einen Gedenkstuhl, um den leeren Platz sichtbar zu machen, den Ante P. hinterlässt.
Ante P. starb nach einem brutalen Polizeieinsatz auf dem Mannheimer Marktplatz. Zahlreiche Zeug*innen filmten den Einsatz. Zwei Polizeibeamte mussten sich 2024 vor Gericht verantworten. Einer der beiden Polizisten wurde wegen Körperverletzung verurteilt, der zweite freigesprochen. Eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge blieb aus, obwohl die Heidelberger Gerichtsmedizinerin im Prozess aussagte, dass der Polizeieinsatz ursächlich für den Tod von Ante P. war. Die Familie legte daraufhin Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil gegen den verurteilten Polizisten jedoch zu dessen Gunsten auf: Die Faustschläge seien als Notwehr gerechtfertigt gewesen. Der Rechtsbeistand der Familie erwartet keinen Erfolg im neuen Verfahren. Das Revisionsgericht hat eine schärfere Strafe ausgeschlossen. Ein Freispruch des Polizisten wäre denkbar. Einer Studie von Prof. Dr. Singelstein zufolge enden weniger als ein Prozent aller Ermittlungsverfahren wegen Polizeigewalt in Deutschland mit einer Verurteilung. Die Initiative 2. Mai ruft daher zur kritischen Prozessbeobachtung auf. Sie wollen ein Schlaglicht darauf werfen, wieso Verurteilungen wegen illegaler Polizeigewalt so selten erfolgen.

Sprecher der Initiative 2. Mai: „Wenn Gerichte die verantwortlichen Beamten nicht verurteilen, senden sie eine klare Botschaft: Dieses Vorgehen war richtig. Das ist eine Lizenz zur Wiederholung.”

Psychisch Erkrankte werden in der Kriminalitätsbekämpfung zu einer Gefährdergruppe erklärt, gegen die präventiv vorgegangen werden müsse.

Antonia P., Schwester des Verstorbenen: „Mein Bruder war in einer psychischen Krise. Er brauchte Hilfe. Er war nicht gefährlich und auch nicht unberechenbar. Sein Arzt stand wenige Meter von ihm entfernt, als er starb. Vor Gericht ist mein Bruder ein zweites Mal gestorben.”

Begleitend zum Gedenken lädt die Initiative am selben Tag zu einer Einführung in die Prozessbeobachtung um 15 Uhr im Citypastoral (F2 6, 68169 Mannheim) ein. Neben dem aktuellen Stand des Verfahrens werden Grundlagen, Abläufe und rechtliche Rahmenbedingungen von Prozessbeobachtung vermittelt.

Am 16. Mai um 15 Uhr findet in der Alten Feuerwache (Brückenstraße 2, 68167 Mannheim) ein Gespräch statt mit Vertreter*innen vom „Justice Collective” Berlin, einem zivilgesellschaftlichen Projekt, das sich kritisch mit dem Strafjustizsystem auseinandersetzt und u.a. Prozessbeobachtung als Instrument gegen Rassismus im Strafrecht etabliert, sowie mit Vertreter*innen der „TIN-Rechtshilfe e.V.”, einem gemeinnützigen Berliner Verein, der trans*, inter* und nicht-binäre Menschen rechtlich berät und strategisch bei der Durchsetzung ihrer Rechte begleitet. Am darauffolgenden Tag, dem 17. Mai, bieten die beiden Organisationen von 11 bis 18 Uhr einen Praxis-Workshop zur Prozessbegleitung an. Eine vorherige Anmeldung zum Workshop ist erforderlich.

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